Herr Dr. Arne Kolbmüller hat die UNESCO auf der Webseite der Befürworter aufgerufen, die Entscheidung zu überdenken. Dabei wurden viele falsche Informationen gestreut, ob wissentlich oder nicht bleibt dahingestellt. Hier ein Auszug aus einem privatem Brief, der diese Falschdarstellungen anspricht.
http://www.pro-waldschloesschenbruecke.de/aktuelles/060713.htm
Sehr geehrter Herr Dr. Arne Kolbmüller
Auf der Webseite der Waldschlößchenbrücke-Befürworter kommentierten Sie die bedauernswerten Entscheidung der UNESCO betreffs der neuen Elbquerung. Leider haben sich in Ihrer Argumentationskette einige entscheidende Fehler eingeschlichen. Es schadet dem Ansehen ihrer Person und vor allem dem der Ingenieurkammer, wenn Sie mit bekannt falschen Aussagen in die Öffentlichkeit gehen. Zudem sollte die neu aufgekeimte Diskussion um die Elbquerung sachlich und fachlich richtig geführt werden.
Sie schrieben:
"Dresden ist eine dynamisch wachsende Stadt."
Die Prognosen Statistischen Landesamtes sehen nach einigen Jahren des Stillstandes bzw. geringen Wachstums ein Zurückgehen der Bevölkerung auch in Dresden. Der Autoverkehr wird stärker zurückgehen als der Bevölkerungsanteil, da der Anteil der Senioren zunimmt, die bekanntlich weniger km fahren als Werktätige.
"Seit 1860 sehen die Stadtplanungen für Dresden eine Elbquerung in Höhe des Waldschlösschens vor"
Das ist nicht richtig. Im Generalbebauungsplan 1862, den Sie sicherlich ansprechen, gab es in Höhe Waldschlößchen lediglich eine markierte Bebauungsgrenze am Environweg. Niemand wäre 1862 auf die Idee gekommen, eine Brücke am äußersten Stadtrand zu planen. Damals gab es keine Autos und niemand dachte im Entferntesten an Umgehungsstraßen. Brücken waren immer in den Zentren der Siedlungen. Umgehungsstraßen sind v. a. eine Nachkriegserfindung.
Konkrete Planungen für die Brücke existieren erst aus den 1930er Jahren unter Stadtbaurat Paul Wolf sowie 1950 - 1989 aus Zeiten der DDR.
"Planung und Ausbau der Straßenzüge sind in diesem Gebiet bisher genau auf diesen Punkt fokussiert, die Verbindung zwischen Stauffenbergallee und Fetscherstraße."
Die Historikerin Gudrun Laudel hat sich mehrere Tage in den Archiven der Stadt aufgehalten und konnte nirgendwo Belege für diese Aussage finden. Die Stauffenbergallee ist als Aufmarschstraße für die Armee des Königs gebaut worden, weniger als Verkehrsachse. Die Fetscherstraße sollte eine Wohnstraße mit höchsten Repräsentationswert werden, deswegen die breiten Gehwege und Vorgärten. Die Straße selber ist nicht breiter als andere städtische Hauptstraßen.
Alle vorhandenen Pläne bis 1930 enthielten zwar eine Brücke am heutigen Thomas-Müntzer-Platz, nicht jedoch am Waldschlößchen.
Belege gibt es dagegen dafür, dass die Grundstücke am Waldschlößchen von der Stadt gekauft worden, um die Elbblicke vor städtebaulichen Wildwuchs zu schützen. Der Schutz der Elbhänge und der Sichtbeziehungen war Ziel der Stadtplanung vor der Nazi- und DDR-Zeit.
"In den zurückliegenden 15 Jahren hat sich das Verkehrsaufkommen fast verdreifacht. Für die zukünftige Verkehrssituation in Dresden hat die Waldschlösschen-Elbquerung deshalb grundlegende Bedeutung."
Scheinbar kennen Sie nicht die aktuelle Verkehrsentwicklung. Aufgrund der Eröffnung der A17 und der erfreulichen Tatsache, dass es in Dresden möglich ist, nahe des Arbeitsortes eine bezahlbare Wohnung zu finden, gehen die Anzahlen der städtischen Elbquerungen kontinuierlich zurück.
1999: 216.300 Querungen
2005: 184.550 Querungen
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-31.750 Querungen (-15%)
Die Prognosen der Stadtverwaltung sagten dagegen insgesamt 20.000 zusätzliche Querungen durch den Bau der WSB voraus (Vergleich mit und ohne Brücke). Stadtweit soll der Verkehr um 8% zunehmen (gefahrene Kilometer). Die anderen Brücken sollten durch die WSB um ca. 27.000 Querungen entlastet werden, also wesentlich weniger, als nun ohne WSB eingetreten ist.
Die Durchschnittsgeschwindigkeit des Autoverkehrs ist in Dresden so hoch wie in kaum einer anderen deutschen Großstadt und steigt weiter.
"Insbesondere für den nachhaltigen Bestand des Blauen Wunders ist dringend Entlastung geboten."
Ihnen dürfte aus der Diskussion zum Bürgerentscheid bekannt sein, dass die WSB am Schillerplatz keine Entlastungen bringt, der Verkehr wird nur anders verteilt. Das Blaue Wunder muss mit oder ohne Verkehr saniert werden, die Entlastung der Brücke von 9% ändert da leider nichts.
"Die aus bautechnischer Sicht notwendigen umfassenden Sanierungen der vorhandenen Elbbrücken (Albertbrücke, Augustusbrücke) lassen sich nur verkehrstechnisch verträglich abfedern, wenn es eine neue Elbquerung am Standort Waldschlösschen gibt."
Sicherlich werden Sie wissen, dass Interimsbrücken möglich sind und dass diese nur ein Bruchteil der WSB kosten. Für das Blaue Wunder haben Brückenexperten 2 Millionen Euro für eine solche Interimsbrücke veranschlagt (WSB: 147 Mill Euro!).
"Dabei stellt das Gelingen einer optimalen Einpassung in das Umfeld eine berechtigte Forderung dar. Dieser Forderung wurde bei der Waldschlösschenbrücke Rechnung getragen."
Das ist Geschmackssache, die unabhängigen Fachleute der UNESCO und zahlreiche Künstler und Architekten sehen dass völlig anders.
"Der Planungs- und Genehmigungsprozess ist unter sorgfältiger Beachtung aller planungsrelevanten Belange verantwortungsvoll entwickelt worden."
Das Thema UNESCO war nicht Thema im Planfeststellungsverfahren. Dies ist ein Fehler, denn die UNESCO-Kompatibilität ist ein öffentlicher Belang höchster Ordnung (Staatsverträge der Bundesrepublik). Wären alle Belange berücksichtigt, hätte es das aktuelle Fiasko nicht gegeben!
"Der UNESCO war der geplante Brückenbau an diesem Standort bekannt"
Scheinbar kennen Sie nicht den Fehler in der Übersetzung der Bewerbungsunterlagen, nach dem die Brücke an einem anderen Standort gebaut werden sollte (nahe der Autobahn). Hätte die UNESCO die Pläne gekannt, hätte sie mit Sicherheit nicht so reagiert wie sie es tut, oder halten Sie die Vertreter dieser Organisation für völlig unfähig?
"um so der UNESCO die Möglichkeit zu bieten, ihre Entscheidung zu überprüfen."
Hier ist wohl eher der Wunsch der Vater des Gedankens. Eindeutiger und härter als geschehen, konnte sich die UNESCO meines Erachtens nicht äußern, aber das war zu erwarten.
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